Am Grabmal des „Unbekannten Individual-Touristen“

Grabmahl-des-unbekannten-Individual-TouristenAn diesem sogenannten Grabmal des „Unbekannten Individual-Touristen“ fand ich ein Schreiben. Es lag unter diesem Felsstein, an einem feinen, hellen Sandstrand, an dem zur Zeit, nur wenige Meter vom Meer entfernt, ein neues gigantisches Hotel für den Massentourismus gebaut wird – während gleichzeitig mit dem Dekret 113/2015 der Individualtourismus auf den Kanaren zu Grabe getragen wird.

Das Schriftstück, das ich dort fand, beeindruckte und berührte mich so sehr, dass ich beschloss, den Inhalt an dieser Stelle zu veröffentlichen. Gleichzeitig habe ich für alle, die dem „Unbekannten Individual-Touristen“ ihre Anerkennung, Wertschätzung und ihr Mitgefühl ausdrücken möchten, unten stehend ein virtuelles „Kondolenz-Buch“ bereitgestellt. Ich freue mich über viele Kommentare und Einträge und hoffe, dass diese die verantwortlichen Politiker der Kanaren auch bewegen und zu einem Einlenken ihrer einseitigen Tourismus-Politik veranlassen kann.

Das Schreiben am Grabmal des „Unbekannten Individualtouristen“ lautete:

„Sehr geehrter Herr Fernando Clavijo, Presidente Gobierno de Canarias, sehr geehrte Politiker des Gobierno Canarias und der gesamten kanarischen Inseln,

Sie kennen mich nicht – und Sie wollen mich leider auch nicht kennenlernen. Und so schaufeln Sie stattdessen dem „unbekannten Individualtouristen“ sein Grab im anonymen Massentourismus.

Aus diesem Grund hinterlege ich heute, am Fuße meiner ganz individuellen Gedenkstätte, des Grabmals des „Unbekannten Individual-Touristen“, dieses Schreiben in leiser Hoffnung, daß es seine Leser findet und in die Welt hinausgetragen wird.  

Sehr geehrte Politiker, ich frage Sie ganz direkt: Warum wollen Sie mich, und Reisende wie mich, nicht mehr als Touristen auf Ihren Insel sehen? Warum vertreiben Sie uns? Was stört Sie am Individualtourismus so sehr und wovor haben Sie Angst?

Warum wollen Sie nicht, dass wir unser Urlaubsgeld auf den Inseln, direkt vor Ort ausgeben: in den Restaurants, den Bars, den Supermärkten, bei den Autovermietungen und an vielen Orten mehr?

Warum vertrieben Sie uns und warum verfolgen Sie unsere Gastgeber – die so liebevoll und so herzlich zu uns sind und die, wie kaum ein anderer, die Tradition und die Kultur der kanarischen Inseln repräsentieren?

Warum möchten Sie, dass wir Individualreisende uns zukünftig andere Urlaubsziele suchen und wieso sorgen Sie nicht dafür, dass die kanarischen Inseln mit ihrem Angebot an privaten Ferienunterkünften der großen Nachfrage gerecht werden?

Warum schaffen Sie nicht mehr Freiraum für den Individualtourismus, sondern schränken diesen drastisch ein? Warum sorgen Sie mit Ihren Gesetzen für eine Atmosphäre der Angst, der Wut und Verzweiflung bei Ihren Bürgern, die sich von Ihnen verkauft und verraten fühlen?

Warum entscheiden Sie, wer vom Reichtum der Inseln alleine profitieren darf – von der der faszinierenden Schönheit der Kanaren? Und warum sind das in der Regel ausgerechnet diejenigen, die die Inseln verschandeln und nicht diejenigen, die Sie am meisten lieben und sie wie kein anderer authentisch repräsentieren können – Ihre Einwohner, Ihre Familien, Ihre Freunde, Ihre Bekannte und Ihre liebenswürdigen Mitbürger.

Lassen Sie uns Privatreisende und Individual-Touristen aus aller Welt bitte weiterhin in privaten Unterkünften auf den Kanaren übernachten. Bei den Menschen vor Ort.

Lassen Sie es nicht zu, dass ein negatives Image der Kanaren in die Welt getragen wird: von einer Tourismuspolitik, die nur noch dem Massentourismus dient und die uns Privatreisende und deren Gastgeber auf den Kanaren diskriminiert und kriminalisiert.

Sorgen Sie für ein weltoffenes und gastgeberfreundliches Ambiente auf den Kanaren und nicht für ein Stimmung der Angst, der Geheimnisse, der Denunziation, der Sorgen und der Frustration.

Lassen Sie die bunte Vielfalt von Urlaubern zu und ermöglichen Sie uns, die wir ganz bewusst nicht in Hotels übernachten möchten, die Vielfalt von Übernachtungsmöglichkeiten wahrzunehmen.

Schaffen Sie die Gesetze ab, die die private Vermietung von Ferienunterkünften erschweren und diese z.T. unter hohe Strafe stellen. Lassen Sie uns Urlauber aus aller Welt, den direkten Kontakt zu Einheimischen pflegen und würdigen Sie den Individual-Tourismus als einen wertvollen Beitrag zur Völkerverständigung und auch als einen wertvollen Finanzbeitrag für die regionale Wirtschaft und die finanzielle Situation vieler Familien vor Ort.
 
Sorgen Sie dafür, dass wir „in Freiheit und Selbstbestimmung“ auf den Inseln reisen und bei Ihren Bürgern übernachten können. Genau dort wo wir es für richtig halten und nicht Politiker und Bürokraten.“

Das Vorgehen der kanarischen Behörden empfiehlt sich in der Tat nicht nur aus der Sicht der Anbieter von Ferienunterkünften zu betrachten wie es z.B. die ASCAV macht – sondern viel mehr auch aus Sicht der Individualreisenden, die die Kanaren auf ihre Art entdecken und nicht nur in Hotels, sondern auch ganz privat übernachten möchten.

Logisch konsequent zu Ende gedacht, ist dieses Gesetzt in der Tat gegenüber Individualreisenden extrem restriktiv, zumal das Angebot an legalen Unterkünften nicht im geringsten den Bedarf deckt. Ich kann mich dieser Niederschrift daher nur anschließen. Als Fan von Individualreisen wünsche natürlich auch ich mir ein deutlich liberaleres Gesetz und das Recht auf umfassende Übernachtungsfreiheit und Bewegungsfreiheit auf den Kanaren.

Ich wünsche mir:

– dort auf den Kanaren übernachten zu dürfen, wo ich es möchte und nicht dort, wo es Politiker, Behörden und Tourismuskonzerne gerne sehen.

– die herzliche und authentische Gastfreundschaft von Menschen annehmen zu dürfen, die mir Ihre Unterkunft selbstverständlich gegen eine Endgeld anbieten, das ich gerne bezahle.

– die Freiheit, selbst entscheiden zu können, welche Unterkunft meinen Qualitätsansprüchen entspricht und welches Endgeld ich dafür zu bezahlen bereit bin.

– die kanarischen Inseln so entdecken zu können, wie ich es möchte – in einer privaten Umgebung.

– meinen Urlaub so verbringen zu dürfen, dass ich mit meinem Geld automatisch die Menschen vor Ort unterstütze, weil meine privaten Ausgaben den ansässigen Familien und der regionalen Wirtschaft zu Gute kommen.

– ein weltoffenes, buntes, lebendiges und gastfreundschaftliches Ambiente auf den Kanaren mit einer Vielzahl an individuellen Ferienwohnungen für Individual-Touristen, die mit ihrem Urlaub und mit ihren Reisen deutlich mehr zur Völkerverständigung in Europa beitragen, als jeder europäische Politiker-Gipfel auf dieser Welt.

– mehr Freiheit, mehr Wettbewerb, mehr Gerechtigkeit und deutlich mehr Interesse für die Wünsche und Bedürfnisse der Reisenden und ihrer Gastgeber vor Ort.

    Kondolenz-Buch. In tiefer Trauer um den "Unbekannten Individual-Touristen"

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    Canarisol-Urlaub auf den Kanaren